Im Taumel der Nacht (2017)

listen to this while reading

Im Taumel der Nacht
Christopher Füllemann & Michel Massmünster
w/ works by Beni Bischoff, Nathan Gray, Austin Lee, Alexandra Meyer, Sybren Renema, Philippe Schwalb, Francisco Sierra, Johannes Willi, Pedro Wirz/Thomas Jeppe
Curated by Deli Projects & Trikot
13.1.-5.2.2017

ENGL: Im Taumel der Nacht is curated by the nomadic curatorial group Deli Projects and Trikot. Trikot is a space and open platform for speculations and experiments of all kinds, founded in January 2016. Each time Deli Projects curates a project (since 2015) the collective invites artists and non-artists from various disciplines and backgrounds to explore new places, resulting in collections of site-specific thoughts. The projects are often characterized by their unexpected results, nourished and made possible only thourgh close collaboration of the artists, the curators and the peers. This time joining forces Deli Projects and Trikot enable encounters beyond the usual art experiences. Surprising and intimite encounters between everybody who’s involved: the team, the artist and scientist, the public, and of course works of art. Hand in hand all of the above mentioned discover places and issues, and open the art space with different, very personal approaches to as many people as possible. They aim to offer its visitors not only a carefully chosen program, but also to extend an invitation to people of every kind to meet in their ephemeral space. For this years edition of Museumsnight Basel both Deli Projects and Trikot are invited as so called "guest institutions". With their first joint project Im Taumel der Nacht they provide an environment that allows intimacy towards the art, other visitors, the area where we all live and work and the night itself – in the context of a mass event such as the Museumsnight Basel, which attracts over 20'000 visitors every year in January.

Im Taumel der Nacht consists of three parts:

1) The exhibition at Trikot (Haltingerstrasse 13): An artificial, site-specific apartment by Lausanne artist Christopher Füllemann with artworks from private Kleinbasel art collections.
2) The Assemblage in the Kaserne area with sculptures by Christopher Füllemann, a banner (3x7m) and a flag (2x3m).
3) The guided night tours with Basel cultural anthropologist Michel Massmünster departing from Trikot towards Kaserne.

According to the young Basel cultural athropologist Michel Massmünster the night is a landscape in motion that is permanently re-assambled. Everyone is involved in these processes. Massmünster thinks about the night as something that changes with the different elements (people, objects, ideas, knowledge, lightnings or technology) that are co-assembled throughout the night. This explains the multiple meanings of the night and its various existences. Lausanne and Zurich based artist Christopher Füllemann's works uncover different layers including the spectators and inviting them to an intimate journey. Movement and autonomy are important aspects to him, allowing his pieces to exist in conversation with the viewer, its context, its specific space and amongst each other. Müllemann is interested in crossing bridges by working with the architecture and the display of how artworks are presented in a domestic environment. With an all-over tactile intervention, the experience of the space in relation to the works presented will shift the spectator to a closer, more intimate feeling. The discussion between Füllemann and Michel Massmünster about the night as a time of transition and transformation is reflected into (sometimes performative) installations and night walks. Spectators are included into a physical participation, landscapes in motion that evolve through the night like growing organisms. The relationships between all of us are a combination that relate to the relationships of how the spectators‘s perception change with the context, from private to public as well as from time, daytime to nighttime and how we engage with these different situations.

>>>

Yang Zhao, ein junger Architekt aus Dali in der südwestchinesischen Provinz Yunnan, erklärte uns, dass in seiner Kultur traditionell die Kunst nicht vom Alltag zu trennen sei. Die Betrachtung von Kunstwerken fände im Privaten statt, verbunden mit Spaziergängen durch Gärten mit Pavillons, in denen Teezeremonien stattfänden. Dadurch sei wiederum eine intime Beziehung mit Natur und Umwelt unabdingbar. Ein traditionelles Verständnis, das Zhao in seiner Architektur umzusetzen versucht. Er denkt Ausstellungsräume nicht als Gebäude, nicht als Container, sondern als Umgebung. Als eine Umwelt, in der Räume nicht mehr von Gärten zu unterscheiden sind.

Aus dieser Vorstellung von einem optimalen Kunsterlebnis entwickelten wir unser Ausstellungsprojekt Im Taumel der Nacht, in dem Räume zu Gärten werden können, weil sich, so lehrt uns wiederum der Basler Kulturathropologe Michel Massmünster, je nach dem welche Erwartungen an sie gestellt würden, «diese Räume zu unterschiedlichen Zeiten anders konstituieren». Mal handelt es sich um Schlaf-, mal um Kunst-, Party- oder Angsträume. Wichtiger Faktor dabei ist die Tageszeit, welche nicht nur Stimmungen in Räumen, sondern vor allem auch unsere Verhaltensweise stark beeinflusst. So können beispielsweise Einkaufsstrassen tagsüber lebendige Orte sein und nachts komplett ausgestorben.

Als diesjährige Gastinstitutionen der Basler Museumsnacht wollen wir uns insbesondere der Nacht hingeben, die uns umgibt. Wir sind die nomadische Kuratorengruppe Deli Projects und der Projektraum Trikot. Trikot ist ein seit rund einem Jahr unregelmässig genutztes, offenes Gefäss für Spekulationen und Experimente jeglicher Couleur. Und Deli Projects realisiert seit Sommer 2015 mit Künstler/innen und Nicht-Künstler/innen verschiedener Disziplinen ortsspezifische Ausstellungsprojekte in immer neuen Räumen. In beiden Initiativen, Deli Projekts wie auch Trikot, sind die involvierten Menschen Dreh- und Angelpunkt des Geschehens. In den Ausstellungen und Veranstaltungen soll es zu Begegnungen kommen – überraschende wie intime, mit Vertrauten ebenso wie mit dem unbekannten Publikum, und natürlich mit den Kunstwerken selbst.

Wir sind kein Container. Wir sind das Quartier in dem wir leben und arbeiten. Mit der Ausstellung Im Taumel der Nacht schaffen wir eine Umgebung, die Intimität mit Kunstwerken, Besucherinnen und Besuchern und schliesslich mit der Nacht selbst zulässt, und dies im Kontext einer Massenveranstaltung wie die Basler Museumsnacht. Im Taumel der Nacht besteht aus drei Teilen. 1) Die Ausstellung im Trikot an der Haltingerstrasse 13: Eine von Künstler Christopher Füllemann vor Ort erschaffene, künstliche Wohnung, gespickt mit Kunstwerken aus Kleinbasler Privatsammlungen. 2) Eine Assemblage auf dem Kasernenareal im öffentlichen Raum mit Skulpturen von Füllemann und einem Banner im Zusammenhang mit den Nachrundgängen von Michel Massmünster. 3) Die Nachtrundgänge des Kulturanthropologen Michel Massmünster, ausgehend von der Quartierbeiz Concordia (gegenüber von Trikot) hin zur Kaserne.

1) Trikot an der Ecke Haltingerstrasse/Claragraben versammelt für die Dauer der Ausstellung Kunstwerke, die allesamt aus privaten Wohnungen im Kleinbasel ausgeliehen sind. Hinter jedem dieser Werke steckt eine ganz persönliche Geschichte, die wir in der Ausstellung erzählen wollen. Wir konzentrieren uns neben den Werken an sich also vor allem auf deren Herkunft, deren Geschichte. Schliesslich sind Objekte, insbesondere Kunstwerke, meist persönlich aufgeladen, von emotionalem Wert, der sich für deren Besitzerinnen und Besitzer ins Unermessliche steigern kann. Kunstwerke können im privaten Raum zu Ersatzfreunden werden, Platzhalter für Freundschaften, stellvertretend für die Menschen, welche die Werke geschaffen haben, darauf abgebildet sind oder uns an besondere Momente erinnern. Im Kontext der Museumsnacht finden wir es ebenfalls wichtig zu thematisieren, dass ein Grossteil der Kunstwerke, mit denen wir uns tagtäglich wie nachts umgeben, weder in einem Museum zu finden sind noch auf dem Kunstmarkt gehandelt werden. Sie hängen in Privaträumen, unsichtbar für eine breite Öffentlichkeit und wurden meist getauscht oder verschenkt oder, wie eine Arbeit in der Ausstellung, beim Umzug des Besitzers schlicht vergessen. Es war nie unsere Absicht, besonders wertvolle oder bekannte Werke auszugraben, sondern solche, denen auf Grund ihrer Geschichte und Herkunft eine Aufmerksamkeit gebührt und solche, die vielleicht auch nur für eine einzelne Person von Bedeutung sind.

Intimität und Privatheit sind essentiell für Im Taumel der Nacht. Christopher Füllemann hat für die Ausstellung der Kleinbasler Kunstwerke eine Wohnung mit künstlichen Einrichtungs-gegenständen erschaffen. Seine wunderlichen Skulpturen sind organische Figuren, die durch merkwürdige Formen und Materialien Sinnlichkeit ausstrahlen und gleichzeitig undurchdringbar sind. Die Objekte verwischen die Grenzen zwischen Ausstellungsraum und Privatwohnung. Sie lassen uns in den kleinen Räumen näher zusammen rücken als erwartet – was gut ist und wichtig, in einer Zeit, in der Ab- und Ausgrenzung Hochkonjunktur haben. Auch deshalb wollen wir es unseren Besucher/innen auf Wunsch ermöglichen, in der Ausstellung zu übernachten.

2) Der Ausstellungstitel Im Taumel der Nacht stammt von der gleichnamigen Doktorarbeit des Basler Kulturanthropologen Michel Massmünster, die sich an der Konstitution von Nacht, den Grenzaushandlungen, der Vielzahl nächtlicher Wirklichkeiten abarbeitet. Massmünster erweist der Nacht, die wir so lieben, in seiner Arbeit wie auch auf den Rundgängen an der Museumsnacht, alle Ehre. «Wie würde eine Lichtung in einem Wald, der in unmittelbarer Nähe zu einer Stadt liegt, klingen und aussehen, wenn wir den Unterschied zwischen Nacht und Tag nicht kennen würden? Wäre sie rund um die Uhr von Joggenden und Spazierenden belebt oder von Tanzenden, von gar niemandem oder von allen zugleich?» Der Nachtexperte Massmünster nimmt uns mit auf einen einzigartigen Nachtrundgang von der Quartierbeiz bis in dunkle Gassen, wo die Grenzen zwischen Zurschaustellung und Intimität, zwischen Vernunft und Wahn auf sonderbare Weise verwischen. Die historisch-poetischen Spaziergänge starten im Restaurant Concordia (bei der Fahne mit der Aufschrift Wir verlieren uns) und führen nach rund 40 Minuten zur Skulpturen-Assemblage von Christopher Füllemann im Hof der Kaserne (beim Banner mit der Aufschrift Im Taumel der Nacht).

«Es gibt zahllose variierende Vorstellungen von Nacht. Sie ist heterogen und divers. Dennoch gibt es, wo wir ihr begegnen, ständig Wieder-erkennung und Wiederholung: Sie ist trotz ihrer Vieldeutigkeit auch plausibel und erwartbar. Das macht sie so spannend. Wenn ich mich als mit der Nacht befasse, interessiert mich besonders, dass sie sich in Worten nie adäquat greifen lässt. Sie ist atmosphärisch. Mit Christopher Füllemann zu diesem Thema zusammenzuarbeiten, der es in seinen Arbeiten versteht, Intimitäten und Emotionalitäten aufzunehmen, erlaubt den Sinnlichkeiten der Nacht auf die Spur zu kommen. Wenn unsere Ausstellung sie sogar im Titel anruft, bildet diese den optimalen Anlass, um uns und die Besuchenden mit dieser Spurensuche zu überraschen.» – Michel Massmünster

3) Das Kasernenareal (Klybeckstrasse 1) ist einer der Basler Orte, an dem Tag- und Nachtleben verschmelzen und in ständiger Verhandlung sind. Immer wieder polarisiert dieser Ort. Im Taumel der Nacht steht auf dem Banner über dem Haupteingang. Darunter findet sich die Skulpturen-Assemblage von Christopher Füllemann, das Taumelnde Monument, als Verweis auf die Flüchtigkeit dieses Nicht-Ortes. Geometrische und zugleich organische Figuren, die von den Besucher/innen bewegt werden können, ein immerzu bewegtes Monument, dekonstruierbar, neu zusammenbaubar, eine Landschaft in Bewegung. Und hierhin führen auch die Nachtrundgänge von Michel Massmünster. Er beschreibt die städtische Nacht als eine «Landschaft in Bewegung, permanent in Verhandlung». Die Nacht ist einer stetigen Veränderung unterworfen und hat viele Bedeutungen, wird in jeder Situation neu angeordnet, durch die spezifische Beziehungskonstellation zwischen Menschen, Materialien und unseren Erwartungen. Diese Gedanken wiederspiegeln sich auch in Füllemanns Arbeit.

«My work uncovers different layers to include the spectators into an intimate journey. Movement and autonomy are important aspects to me, allowing my pieces to exist in conversation with the viewer, a specific space and amongst each other. I‘m interested in bringing together these bridges by working with the architecture and the display of how artworks are presented in a domestic environment. With an all-over tactile intervention, the experience of the space in relation to the works presented will shift the spectator to a closer, more intimate feeling. The discussion with Michel Massmünster about the night as a time of transition and transformation is reflected into a performative installation. Spectators are then included into a physical participation. A landscape in motion that evolve through the night like growing organisms. The relationships between all of us are a combination that relate to the relationships of how the spectators‘s perception change with the context, from private to public as well as from time, daytime to nighttime and how we engage with these different situations.» – Christopher Füllemann.

Der Lausanner Künstler Christopher Füllemann lebt und arbeitet in Zürich. Er machte seinen Master in Fine Arts in San Francisco und wurde u.a. mit dem Swiss Art Award 2011, dem SFAI Outstanding Award in Sculpture 2012, dem Gustave Buchet Award 2013 und dem Fondation Irène Reymond Award 2016 ausgezeichnet.

Der Basler Michel Massmünster promovierte an den Universitäten Basel und LMU München 2015 mit dem Prädikat summa cum laude. Seine Dissertation Im Taumel der Nacht. Imaginationen, Rhythmen und ästhetische Erfahrungen beim greifbar Werden von Nacht in Basel erscheint 2017 im Berliner Kadmos-Verlag. Sie wird im Rahmen der Ausstellung veröffentlicht.

Im Taumel der Nacht

14. Januar–05. Februar 2017
Trikot, Haltingerstrasse 13, und Kaserne Basel

13. Januar 
19.00 Uhr, Soft-Opening, Performance und Information, Trikot und Kaserne Basel

14.–20. Januar 
Ausstellung entsteht vor Ort, Trikot und Kaserne Basel

20. Januar
Eröffnung in der Museumsnacht Basel 2017

22. Januar.–05. Februar
17.00–19.00 Uhr, Ausstellung, Trikot und Kaserne Basel,
Führungen jederzeit möglich
Film-Screenings
Trikot, Informationen auf Facebook und deliprojects.com

Unterstützt durch:
Kanton Basel-Stadt Abteilung Kultur, Christoph Merian Stiftung, Futurum Stiftung,  Ernst und Olga Gubler-Hablützel Stiftung, Zeisch Eventagentur, Studio Pugin, Bravo Ricky


05. September 2017

Eine lange Saison geht zu Ende. Nach Fitnessclub, Zagreb, Altersheim, Grand Hotel, Kunsthalle, Afrika und Kirche lädt der SMC Basel zum vorerst letzten Tanz: im Garten der Elisabethenstrasse 10. Unsere Gäste sind gebeten, sich unbedingt …mehr

29. Juni 2017

Call for participants >>> Draisine Derby at Oslo Night Art Festival >>> Sa 23 Sept 2017 2–10 pm >>> most wanted: a. Teams b. Artists* c. Sponsors d. Partners a. Start with your own draisine. You pay: CHF 0 …mehr

02. Juni 2017

Welcome to the opening: Tuesday 13 June 2017, 6 pm Clarastrasse 13, Basel Exhibition: Umwelt Mode  http://www.benediktwyss.com/projekte/umwelt-mode-2017/ Opening hours: 14–17 June 10–18 Uhr, 18 June by appointment Umwelt Mode  …mehr

Archiv


Deli Projects & Trikot
Im Taumel der Nacht

Ausstellung und mehr
14. Januar–05. Februar 2017 
Trikot, Haltingerstrasse 13 und
Kaserne Basel

Medien
Migros Magazin, Juni 2017
Radio SRF 1, 19.1.2017
Radio X, 20.1.2017
TagesWoche, 18.1.2017
barfi.ch, 13.1.2017
Badische Zeitung (DE), 13.1.2017
Basler Zeitung, 14.1.2017
Friday Magazine, 1.1.2017
Radio Basilisk, 15.1.2017

Programm Museumsnacht
Freitag, 20. Januar 2017
18.00–02.00 Uhr
Rendez-vous 
Führungen durch die Ausstellung von Christopher Füllemann mit 
Werken aus Kleinbasler Sammlungen
18.00–02.00 Uhr
Restaurant Concordia 
«I’m the type who’d be happy not going anywhere as long as I am sure I know exactly what is happening at the places I am not going to.»
20.00, 22.00, 24.00 Uhr
Nachtrundgänge mit Michel Massmünster, ca. 30 min.
Durch dunkle Gassen und vorbei an wunderlichen Gestalten begeben wir uns dahin, wo die Grenzen zwischen Zurschau­stellung und Intimität, zwischen Vernunft und Wahn auf sonder­bare Weise verwischen.
18.00–02.00 Uhr
Taumelndes Monument 
Christopher Füllemanns Assemblage im Hof der Kaserne
Ab 02.00 Uhr
Die Nacht ist kurz 
Bringt eure Schlafsäcke mit, und am nächsten Morgen gehen wir 
gemeinsam frühstücken.

Im Taumel der Nacht
14. Januar–05. Februar 2017

Trikot, Haltingerstrasse 13, und Kaserne Basel
Freitag, 13. Januar 
19.00 Uhr, Soft-Opening, Performance und Information, Kaserne Basel. 20.00 Uhr, Nachtrundgang, ca. 30 min.
14.–20. Januar 
Ausstellung entsteht vor Ort, Trikot und Kaserne Basel
22. Januar.–05. Februar
17.00–19.00 Uhr, Ausstellung, Trikot und Kaserne Basel,
Führungen jederzeit möglich
Film-Screenings
Trikot, Informationen auf Facebook und deliprojects.com

Unterstützt durch
Christoph Merian Stiftung
Futurum Stiftung
Ernst und Olga Gubler-Hablützel Stiftung
Kanton Basel-Stadt Abteilung Kultur
Zeisch Eventagentur
Studio Pugin

News